Neue Labore und Maschinen für Hightech-Forschung

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär weiht Forschungsneubau ein

Jena /

Mit einem Festakt hat das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF heute seinen jüngsten Forschungsneubau eingeweiht. Neben Bundesministerin Dorothee Bär nahmen Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt sowie weitere Gäste aus Politik, Wirtschaft und Industrie an den Feierlichkeiten teil. Besondere Highlights im Neubau sind eine neue Anlage zur Elektronenstrahl-Lithografie für die Herstellung photonischer Komponenten sowie eine Bodenstation für die satellitengestützte Quantenkommunikation.

Auf einer Fläche von mehr als 2.000 m2 stehen dem Fraunhofer IOF mit dem Neubau künftig neue Labore sowie Reinräume und Büros in direkter Nachbarschaft zum Hauptgebäude des Institutes zur Verfügung. Der mittlerweile dritte Erweiterungsbau des Forschungsinstituts ist damit ein wichtiger strategischer Schritt für dessen Zukunft. Denn auf den zusätzlichen Labor- und Reinraumflächen werden relevante Zukunftsthemen aus der Hightech-Agenda vorangetrieben.

»Mit der Hightech Agenda Deutschland machen wir Deutschland wieder zum Top-Technologieland. Optik und Photonik sind dabei wichtige Grundlagen und kommen in Schlüsseltechnologien wie den Quantentechnologien, der Biotechnologie oder auch Mikroelektronik in vielfältiger Weise zum Einsatz. Das Fraunhofer IOF treibt Optik-Technologien und -Anwendungen von morgen voran und schlägt die Brücke von der Wissenschaft zur Wirtschaft. Der heute eingeweihte Forschungsneubau beflügelt die Möglichkeiten des Standorts noch zusätzlich. Genau so sind wir auf einem guten Weg, ›Made in Germany‹ als Siegel für technologische Exzellenz zu etablieren, gerade auch in den photonischen Technologien«, erklärte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär.

Blick auf den Forschungsneubau.
© TSK / Jacob Schröter
Nach sechs Jahren Bauzeit wurde am 10. März 2026 der mittlerweile ditte Erweiterungsbau des Fraunhofer IOF eingeweiht.

Ministerpräsident Mario Voigt, der gemeinsam mit Thüringens Wissenschaftsminister Christian Tischner den Besuch der Bundesministerin begleitet hat, ergänzte: »Thüringer Optik, gerade solche aus Jena, genießt einen Ruf von Welt. Speziell das Fraunhofer IOF ist hier eine wahre Erfolgsgeschichte. Gegründet inmitten der Umbruchszeiten nach der deutschen Wiedervereinigung, hat sich das Institut in über 30 Jahren zu einem weltweit gefragten Partner für Wissenschaft und Wirtschaft im Bereich der Instrumentierung entwickelt. Von besonderer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Region sind zudem die über zwanzig Unternehmensgründungen aus dem Institut und seinen Partnereinrichtungen, die heute mehr als 350 hochspezialisierten Mitarbeitenden sichere Arbeitsplätze bieten. Die Erweiterung des Fraunhofer IOF durch den jüngsten Neubau wird dazu beitragen, diese Entwicklung zu stärken und Thüringen auch künftig zu einem Dreh- und Angelpunkt der deutschen Photonik-Industrie zu machen. Wer verstehen will, wo Deutschlands technologische Zukunft entsteht, muss nach Jena schauen.«

Die Bundesministerin steht auf einer Bühne vor Publikum und spricht in ein Mikrofon.
© Fraunhofer IOF
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär bei ihrem Grußwort anlässlich der Eröffnungsfeier.

Wissenschaftsminister Christian Tischner betonte: »Der Freistaat hat den Aufbau einer neuen Elektronenstrahl-Lithografie-Anlage am Fraunhofer IOF mit 12 Millionen Euro unterstützt sowie die Hälfte der Baukosten getragen. Das ist gut investiertes Geld – denn Spitzenforschung braucht Spitzeninfrastruktur.«

»Im Beisein von Frau Bundesministerin Bär und Herrn Ministerpräsident Voigt haben wir heute nicht nur ein neues Gebäude eröffnet. Wir schaffen eine Plattform für die Technologien der Zukunft, die weit über die Region strahlt und wegweisend ist. Die neuen Labore bieten vielfältige Möglichkeiten zur Entwicklung und Herstellung optischer und photonischer Systeme höchster Präzision. Das schafft ideale Bedingungen für Spitzenforschung und den Transfer in die Anwendung in den Bereichen Optik, Photonik, Quantentechnologien und photonische Systeme,« sagte Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Damit setzen wir ein starkes Zeichen nicht nur für den Standort Jena als internationaler Leuchtturm der Photonik, sondern treiben auch die Leistungsfähigkeit des Technologiestandorts Deutschland in diesen strategisch wichtigen Zukunftstechnologien voran.« 

Ministerpräsident Mario Voigt steht vor einem mit Publikum gefütllen Saal auf einer Bühne an einem Stehpult.
© Fraunhofer IOF
Am Festakt nahmen zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie teil. Hier auf der Bühne: Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt.

Neue Anlage für Elektronenstrahl-Lithografie für Nanostrukturierung

Im Rahmen der Feierlichkeiten besichtigten die Gäste zwei zentrale Highlights des Neubaus: Die neue Anlage zur Elektronenstrahl-Lithografie sowie eine optische Bodenstation.

Die Elektronenstrahl-Lithografie ist ein Verfahren, um besonders feine Strukturen in der Größenordnung weniger Nanometer auf optischen Bauteilen herzustellen. Das Verfahren wird benötigt, um z.B. Hochleistungs-Chips für die Mikroelektronik, die KI oder das Quantencomputing zu fertigen. Ebenso können damit hochpräzise Messinstrumente für die Erdbeobachtung und Raumfahrt hergestellt werden. »Als Institut haben wir in der Vergangenheit missionskritische Beiträge zu internationalen Weltraumprogrammen wie GAIA und dem Sentinel-Programm der ESA sowie zum James-Webb-Weltraumteleskop geleistet. Hierfür war u.a. unsere besondere Expertise in der mikro- und nanostrukturierten Optik wichtig. Die neue Anlage mit weltweiten Alleinstellungsmerkmalen wird es uns ermöglichen, auch zukünftig die Wissenschaft zu exzellenter Forschung und die Wirtschaft zu Innovationen zu befähigen«, erklärt Prof. Andreas Tünnermann, Leiter des Fraunhofer IOF.

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Neubaus nahmen Ministerpräsident Voigt und Bundesministerin Bär die neue Elektronenstrahl-Lithografie offiziell in Betrieb. Der Freistaat Thüringen unterstützt den Aufbau der Anlage mit 12 Millionen Euro.

Mario Voigt und Dorothee Bär stehen seitlich neben einem großen roten Knopf auf den beide jeweils eine Hand gelegt haben. Der Knopf aktivierte symbolisch die Anlage.
© Fraunhofer IOF
Gemeinsam haben Mario Voigt und Dorothee Bär die neue Anlage für Elektronenstrahl-Lithografie des Fraunhofer IOF offiziell in Betrieb genommen.

Neue optische Bodenstation für Quantenkommunikation

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal für das Fraunhofer IOF markiert die neue optische Bodenstation. Platziert auf dem Dach des Neubaus erlaubt sie es den Forschenden fortan von Jena aus optisch mit Satelliten zu kommunizieren. Zur Anwendung kommt dies vor allem in der Forschung zur Quantenkommunikation. Die Quantenkommunikation entwickelt neue Verfahren, um in Zukunft praktisch abhörsicher zu kommunizieren.

»Unsere optische Bodenstation ist die einzige ihrer Art in Mitteldeutschland. Sie hilft uns künftig dabei, die Erkenntnisse aus der Quantenkommunikation, die wir in Projekten wie der BMFTR-geförderten Initiative QuNET bisher mit Schwerpunkt auf erdgebundene Quantennetze gewonnen haben, nun auf das nächste Level zu bringen, nämlich in den Weltraum. Unsere Forschung zur satellitengestützten Quantenkommunikation trägt schon jetzt dazu bei, die Grundlage für ein globales Quantennetzwerk zu legen. Als Fraunhofer IOF wollen wir mit der neuen Bodenstation ein Knoten im weltweiten Kommunikationsnetz der Zukunft sowie ein Testzentrum für weiterführende Forschung auf diesem Gebiet werden«, ordnet Prof. Tünnermann ein.

Ein Blick ins Labor. In der Mitte steht ein großer optischer Tisch mit verschiedenen wissenschaftlchen Aufbauten darauf. Die Gäste stehen um den Tisch verteilt und lauschen den Erklärungen eines Forschenden,
© Fraunhofer IOF
Im Labor für Quantenkommunikation erhielten die Gäste von Forschenden Erläuterungen zu wissenschaftlichen Grundlagen sowie eine Demonstation in der Anwendung der optischen Bodenstation, die sich oberhalb des Labores befindet.
Frau Bär und weitere Gäste stehen im Inneren der optischen Bodenstation, die unter einer Kuppel verborgen ist.  Die Kuppel ist geöffnet und gibt für das Teleskop den Blick auf den Hmmel frei. Die Gäste schauen nach oben und in den Himmel..
© TSK/ Jacob Schroeter
Die Gäste besichtigten die optische Bodenstation und das darin enthaltene Teleskop für Satellitenkommunikation aus nächster Nähe.
Frau Bär und Herr Voigt sprechen in ein Medienmikrofon. Im Hintergrund ist die optische Bodenstation auf dem Dach des Fraunhofer IOF zu sehen.,
© TSK / Jacob Schroeter
Vor der neuen optischen Bodenstation gaben die Ministerin und der Ministerpräsident ein Medienstatement ab und lobten die Spitzenforschung aus Jena.
Andreas Tünnermann schüttelt Mario Voigt die Hand.
© TSK / Jacob Schroeter
Institutsleiter Andreas Tünnermann begrüßt Herrn Ministerpräsidenten Mario Voigt.

Stetiges Wachstum in Mitarbeitenden und Fläche seit 1992

Die Bauarbeiten am Forschungsneubau waren 2019 gestartet. Das Bauprojekt kostete insgesamt knapp 30 Millionen Euro, die zu gleichen Teilen von Bund und Land getragen wurden. Es handelt sich um den mittlerweile dritten Erweiterungsbau des Fraunhofer IOF.

Gegründet im Jahr 1992 war das Fraunhofer IOF zunächst im Zentrum der Stadt Jena, im sogenannten »Eulenhaus« in der Schillerstraße, beheimatet. Aus Kapazitätsgründen zog das Institut 2002 in einen Neubau auf den Beutenberg Campus um. 2011 folgte dort der erste Erweiterungsbau. 2017 wurde das direkt in den Gebäudekomplex integrierte Fasertechnologiezentrum mit Faserziehturm eröffnet.

Bis heute erlebt das Forschungsinstitut ein stetiges Wachstum: Gestartet mit einst knapp sechzig Mitarbeitenden arbeiten dort heute rund 500 Menschen, 23% davon mit internationalem Hintergrund, mit Leidenschaft daran, Licht als vielseitiges Werkzeug zugunsten von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie nutzbar zu machen.

Personen stehen nebeneinander aufgereiht vor dem Hauptgebäude des Fraunhofer IOF.
© TSK/ Jacob Schroeter
v.l.n.r.: Walter Rosenthal, Andreas Tünnermann, Holger Hanselka, Dorothee Bär, Mario Voigt, und Christian Tischner bei der Einweihung des Forschungsneubaus des Fraunhofer IOF.
Frau Bär steht vor dem Forschungsneubau und unterhält sich mit Forschenden.
© TSK / Jacob Schroeter
Ministerin Bär im Gespräch mit Andreas Tünnermann sowie Forschenden des Fraunhofer IOF.
Frau Bär steht umringt von vielen Forschenden vor dem Hauptgebäude des Fraunhofer IOF. In der Hand hält die Ministerin das QuNET-Whitepaper.
© Fraunhofer IOF
Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde ein QuNET-Whitepaper an die Bundesministerin übergeben. Hier gemeinsam mit ihr im Bild: Eine Auswahl der QuNET-Forschenden, die an der Großinitiative beteiligt sind.