Forschungsberichte: Atomlagenabscheidung

Neueste ALD-Entwicklungen am Fraunhofer IOF

Das Fraunhofer IOF bietet ein breites Spektrum an Funktionalisierungen von Oberflächen und Schichten an. Eine von unseren Expertinnen und Experten genutzte und weiterentwickelte Technologie ist die Atomlagenabscheidung (ALD). Dieses Verfahren ermöglicht das konforme Dünnschichtwachstum von organischen oder auch hybriden organisch-anorganischen Schichten auf nano-/mikrostrukturierten Substraten sowie auf Freiform- und stark gekrümmten Oberflächen.

 

Könnte ALD eine Lösung für Ihr Beschichtungsproblem sein?

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Konforme Beschichtungen mit ALD

 

Nachfolgend finden Sie Forschungsberichte zu unseren neuesten ALD-Entwicklungen:

Atomlagenabscheidung von Antireflexionsschichten und Bandpassfiltern.
© Fraunhofer IOF
Konforme Beschichtungen werden durch Atomlagenabscheidung (ALD) ermöglicht. Sie ermöglicht eine präzise Kontrolle der Dicke und Zusammensetzung dünner Schichten auf beliebig geformten Optiken, was eine Voraussetzung für hohe optische Leistung ist.

Konforme Beschichtung für hocheffiziente Spektrometergitter

Mit ALD beschichtetes Spektrometergitter in den Händen einer Forscherin.
© Fraunhofer IOF
Das Verfahren der Atomlagenabscheidung ermöglicht die konforme Beschichtung auch bei Beugungsgittern.

 

Die Realisierung hocheffizienter Beugungsgitter, welche als dispersive Kernkomponenten in Erdbeobachtungsspektrometern mit NIR/SWIR-Kanälen zum Einsatz kommen, stellt höchste Anforderungen an den Herstellungsprozess. Am Fraunhofer IOF konnte in Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Fachabteilung »Mikro- und nanostrukturierte Optik« eine hohe, nahezu polarisations-unabhängige Beugungseffizienz durch die Einbettung eines Quarzglas-Grundgitters in ein hochbrechendes Material (TiO2) und einer abschließenden SiO2-Schicht mit entspiegelnder Wirkung erzielt werden (Abb. 1).

Voraussetzung für eine hohe Effizienz sind hierbei hochwertige, homogene und hohlraumfreie Beschichtungen. Die Einbettung erfolgt daher mittels Atomlagenabscheidung (ALD), einer Technologie, durch die tiefe Gittergräben strukturtreu beschichtet werden. Eine besondere Herausforderung ist das kontinuierlich steigende Aspektverhältnis während der Einbettung, die eine gezielte Prozessoptimierung zur Beschichtung solcher Gitter erfordert. Darüber hinaus ist es essenziell, die Brechzahl und Dicken der Schichten präzise zu kontrollieren.

In diesem holistischen Ansatz erfolgte eine Prozessoptimierung durch die Anpassung der Prozessparameter (Präkursormaterial, Dosis- und Spülzeiten, Plasmabedingungen etc.) gezielt an die Gitterstruktur. Plasmagestützte ALD-Prozesse (PEALD) ermöglichen besonders hochbrechende TiO2-Schichten. Diese weisen allerdings bei zur Verfüllung notwendigen Schichtdicken von über 300 nm eine hohe Rauheit auf. Mittels TiO2/Al2O3-Nanolaminaten werden sehr glatte Schichten (AFM-Rauheit, RMS < 1 nm) erzeugt. Zudem lässt sich durch die gezielte Einbindung von Al2O3 die Brechzahl an das optimale Gitterdesign anpassen. Die Kontrolle der Schichtdickenverhältnise der Nanolaminat-Komponenten und der Plasma-Bedingungen ermöglichen
einen hohen effektiven Brechungsindex von 2,32+/-0,01 @ 2 μm (Abb. 2). Somit wurden Transmissionsgitter mit einer gemittelten Beugungseffizienz von ≥ 90 % bei einer Polarisationssensitivität ≤ 4 % für den SWIR2-Kanal im Bereich von 1990 nm bis 2095 nm realisiert.

 

Eingebettetes Gitter mit ALD-Beschichtung.
© Fraunhofer IOF
Abb. 1: Eingebettetes Gitter mit ALD-Beschichtung.
Brechungsindex der SiO2- und TiO2-Schichten und des TiO2/Al2O3-Nanolaminates.
© Fraunhofer IOF
Abb. 2: Brechungsindex der SiO2- und TiO2-Schichten und des TiO2/Al2O3-Nanolaminates.

 

Autorenschaft: Kristin Pfeiffer, Vivek Beladiya, Torsten Harzendorf, Thomas Flügel-Paul, Adriana Szeghalmi

 

Weitere Forschungsberichte zu Atomlagenabscheidung

 

Die unten aufgeführten Artikel unterstreichen unter anderem die intensive Forschungstätigkeit unserer Expertinnen und Experten am Fraunhofer IOF. Diese Artikel wurden in unseren Jahresberichten veröffentlicht, die ausgewählte Forschungsergebnisse der entsprechenden Jahre präsentieren (Archiv Jahresberichte).

In der folgenden Liste finden Sie die Artikel über Entwicklungen im Bereich der Atomlagenabscheidung aus den vergangenen Jahren:

 

HfO2 und SiO2 ALD-Schichten für Laseranwendungen

ALD-beschichtete Kugeln und Halbkugeln.
© Fraunhofer IOF
Atomlagenabscheidung eignet sich ideal für das Beschichten von komplex geformten Substraten.

 

Der Einsatz von stark gekrümmten Linsen in Lasersystemen ist von steigender Bedeutung. Viele dieser Linsen können jedoch nicht hinreichend funktionalisiert werden, da etablierte Beschichtungsverfahren Schichtdickengradienten erzeugen. Atomlagenabscheidung (ALD) ermöglicht eine gleichmäßige und strukturtreue Abscheidung dünner Schichten mit präziser Schichtdickenkontrolle, um eine sehr hohe optische Performance entlang der Oberfläche solcher optischen Komponenten zu gewährleisten. Dünne funktionale optische ALD-Schichten und nanoporöse SiO2-Schichten wurden u. a. für breitbandige und winkelunabhängige Entspiegelungen oder als Einzelschichtentspiegelungen mit sehr hohen Laserzerstörschwellen nachgewiesen.

Am Fraunhofer IOF wurde eine großflächige plasma-unterstützte ALD (PEALD) Anlage für die Abscheidung von Oxiden und Nitriden auf Substraten mit einem Durchmesser von 330 mm und einer Höhe von bis zu 150 mm installiert. Es wurden bereits SiO2 , Al2O3, TiO2 und HfO2-Schichten mit hoher Uniformität bei niedrigen Abscheidungstemperaturen (100 °C) entwickelt. Zudem sind die optischen und mechanischen Eigenschaften der Schichten mittels einer Vorspannung maßgeschneidert. Abbildung 2 zeigt den Brechungsindex der SiO2-Schichten ohne und mit Vorspannung. Schichten mit einer deutlich höheren Qualität sind schon bei geringer Vorspannung möglich. Ein Multilagen-Interferenzschichtsystem wurde zur Entspiegelung von Quarzsubstraten bei 1064, 532, 355 und 266 nm Wellenlänge für Laseranwendungen entwickelt.orspannung maßgeschneidert. Abbildung 2 zeigt den Brechungsindex der SiO2-Schichten ohne und mit Vorspannung. Schichten mit einer deutlich höheren Qualität sind schon bei geringer Vorspannung möglich.

Ein Multilagen-Interferenzschichtsystem wurde zur Entspiegelung von Quarzsubstraten bei 1064, 532, 355 und 266 nm Wellenlänge für Laseranwendungen entwickelt.

 

Unterschiedlich geformte optische Komponenten beschichtet mit ALD.
© Fraunhofer IOF
Abb. 1: Die Atomlagenabscheidung (ALD) kann für die Beschichtung optischer Komponenten wie Asphären, konvexe und konkave Linsen oder Kugellinsen verwendet werden.
Diagramm mit Brechungsindex der SiO2-ALD-Schichten in Abhängigkeit der Vorspannung (von 0 V bis -30 V).
© Fraunhofer IOF
Abb. 2: Brechungsindex der SiO2-ALD-Schichten in Abhängigkeit der Vorspannung (von 0 V bis -30 V).
Diagramm mit Reflexionswerten von einer Seite und von beiden Seiten eines entspiegelten Quarzsubstrates.
© Fraunhofer IOF
Abb. 3: Reflexion von einer Seite und von beiden Seiten eines entspiegelten Quarzsubstrates.

 

Autorenschaft: Vivek Beladiya, Margarita Lapteva, Adriana Szeghalmi

Eigenschaften von Oxiden hergestellt mittels neuem PEALD-System

Eine mit ALD beschichtete Halbkugel in den Händen einer Forscherin vom Fraunhofer IOF.
© Fraunhofer IOF
Eine mit ALD funktionalisierte Halbkugel.

 

Die gleichmäßige und topographietreue Abscheidung dünner Schichten mit präziser Schichtdickenkontrolle ist essentiell für die Entwicklung optischer Komponenten mit einer komplexen Geometrie. Atomlagenabscheidung (ALD) ist eine Schlüsseltechnologie bei der Herstellung von Halbleiter-Komponenten, um den Anforderungen der Beschichtung bei hohen Aspektverhältnissen zu genügen. Diese Technologie findet vermehrt Interesse auch für optische Anwendungen. Dünne ALD-Schichten werden u. a. in Interferenzschichtsystemen (Abb. 1) und Beugungsgittern eingesetzt.

Die am Fraunhofer IOF neu installierte plasma-unterstützte ALD (PEALD) Anlage ermöglicht die Abscheidung von Oxiden und Nitriden auf Substraten mit einem Durchmesser von 330 mm und einer Höhe von 100 mm. Die großflächige Planar Triple Spiral Antenne (PTSA) der Anlage ist eine induktiv gekoppelte Plasmaquelle mit einem Durchmesser von 400 mm, die eine sehr hohe Gleichmäßigkeit der Schichtdicke gewährleistet. Zudem kann in diesem System eine Vorspannung (engl.: bias) an das Substrat angelegt werden, wodurch zusätzlich die mechanischen und optischen Schichteigenschaften gesteuert werden. Die vorhandenen Prozesse für SiO2 , Al2O3 und TiO2 wurden bei einer Substrattemperatur von 100 °C bis 250 °C optimiert. Die Uniformität ((dmax-dmin ) / 2dMittelwert ) der Schichten erreicht sehr geringe Abweichungen von ± 0,3 % (Al2O3), ± 0,8 % (TiO2) und ± 0,6 % (SiO2) auf einer Fläche mit einem Durchmesser von 200 mm, siehe Abbildung 2. Standard ALD-Al2O3 Schichten mit einer Schichtdicke von 200 nm zeigen Zugspannungen von etwa 97 MPa. Im Gegensatz dazu weisen Al2O3 Dünnschichten, bei denen während der Herstellung eine Bias-Spannung angelegt wurde, Druckspannungen zwischen 109 MPa und 144 MPa auf (Abb. 3).

Ziel ist die Entwicklung optischer Elemente, wie z. B. dichroitischer Spiegel und Schmalbandfilter, mit geringer Eigenspannung, um Rissbildungen und Schichtablösungen zu verhindern.

 

ALD funktionalisierte Komponenten: Glas-Kuppel mit und ohne Entspiegelungsschichtsystem, Kugel- und Halbkugellinsen mit Schmalbandfilter.
© Fraunhofer IOF
Abb. 1: ALD funktionalisierte Komponenten: Glas-Kuppel mit und ohne Entspiegelungsschichtsystem, Kugel- und Halbkugellinsen mit Schmalbandfilter.
Diagramm mit Schichtdicken-Mapping einer SiO2 -ALD-Schicht mit geringer Schichtdickenabweichung von ± 0,6 % auf einer Fläche mit 200 mm Durchmesser.
© Fraunhofer IOF
Abb. 2: Schichtdicken-Mapping einer SiO2 -ALD-Schicht mit geringer Schichtdickenabweichung von ± 0,6 % auf einer Fläche mit 200 mm Durchmesser.
Diagramm zur Al2O3-ALD-Schicht mit kontrollierbarer Schichtspannung durch Anlegen einer Bias-Spannung.
© Fraunhofer IOF
Abb. 3: Al2O3-ALD-Schicht mit kontrollierbarer Schichtspannung durch Anlegen einer Bias-Spannung.

 

Autorenschaft: Kristin Pfeiffer, David Kästner, Vivek Beladiya, Adriana Szeghalmi

3D-konforme Antireflexschichten mittels ALD

 

Mit Atomlagenabscheidung beschichtete Linsen.
© Fraunhofer IOF
Konforme Beschichtungen mittels Atomlagenabscheidung auf Kugel- und Halbkugellinsen.

 

Antireflexschichten basieren auf Interferenzschichtsystemen aus hoch- und niedrigbrechenden Materialien, welche gleichmäßig und mit präziser Schichtdicke abgeschieden werden müssen. Konventionelle physikalische Abscheideverfahren erzeugen jedoch auf stark gekrümmten Oberflächen ungleichmäßige Schichtdickenverteilungen, welche die optische Funktion beeinträchtigen. Wir demonstrieren, dass Atomlagenabscheidung (ALD) ein geeignetes Verfahren ist, um Entspiegelungen auf stark gekrümmten Substraten zu erreichen. ALD basiert auf zyklischen, selbstbegrenzenden
Oberflächenreaktionen, wobei die Schichtdicke unabhängig von der Probengeometrie durch die Anzahl der ALD-Zyklen definiert wird.

Mit einem Al2O3/TiO2/SiO2-Mehrschichtsystem wurde die Reflexion einer Quarzglas-Halbkugellinse im Wellenlängenbereich von 390 nm bis 750 nm auf Rav < 0,3 % verringert (Abb. 2). Eine sehr gute  Übereinstimmung der entlang der Oberfläche gemessenen Reflektivität und dem AR-Design konnte gezeigt werden.

Ferner wurden Einzelschicht-Entspiegelungen aus nanoporösem SiO2 verwendet. Diese Schichten wurden durch die Abscheidung von Al2O3:SiO2-Mischungen realisiert, wobei der Al2O3-Anteil anschließend nasschemisch entfernt wurde. Wir erreichen eine gleichmäßige Entspiegelung einer asphärischen B270-Linse mit Rav < 0,1 % im Wellenlängenbereich von 600 nm bis 700 nm (Abb. 3).

ALD ist ein vielversprechendes Verfahren zur Abscheidung von dünnen optischen Schichten auf komplex geformten Komponenten, wie z. B. konvexen oder konkaven Linsen, Zylindern, Kugellinsen, Röhrchen oder anderen Substraten, die mit konventionellen Abscheideverfahren nur schwierig zu funktionalisieren sind.

 

Stark gekrümmte Linsen für ALD-Beschichtung.
© Fraunhofer IOF
Abb. 1: Stark gekrümmte Linsen für ALD-Beschichtung.
Diagramm mt Reflektivität einer mittels ALD-Mehrschichtsystems entspiegelten Halbkugel.
© Fraunhofer IOF
Abb. 2: Reflektivität einer mittels ALD-Mehrschichtsystems entspiegelten Halbkugel.
Diagramm mit Reflektivität einer mittels nanoporöser SiO2-Einzelschicht entspiegelten Asphäre.
© Fraunhofer IOF
Abb. 3: Reflektivität einer mittels nanoporöser SiO2-Einzelschicht entspiegelten Asphäre.

 

Autorenschaft: Kristin Pfeiffer, Lilit Ghazaryan, Ulrike Schulz, Adriana Szeghalmi

Strukturtreue nanoporöse SiO2-Schichten mit maßgeschneiderter Brechzahl

REM-Bilder von durch ALD hergestelltem nanoporösem SiO2.
© Fraunhofer IOF
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen (Draufsicht) von nanoporösen SiO2-Dünnschichten mit etwa 50 % bzw. 70 % Porosität.

 

Nanoporöse dünne SiO2-Schichten sind essentielle Bestandteile in verschiedenen optischen Anwendungen. Diese artifiziellen Materialien besitzen eine Brechzahl, die deutlich niedriger als die des nichtporösen SiO2 ist. Für eine Einzelschichtentspiegelung sollte die Brechzahl der Beschichtung gleich der Wurzel der Brechzahl des Substrates sein. Zur Entspiegelung von Quarz und anderen hochbrechenden Glassubstraten ist somit eine Beschichtung mit einer Brechzahl von ca. 1,20 bis 1,30 notwendig. Für breitbandige Entspiegelungen sind Schichten mit deutlich niedrigeren Brechzahlen erwünscht. Verschiedene Verfahren (Sol-Gel, Glanzwinkelabscheidung, Beschichtungen mit mesoporösen SiO2-Nanopartikeln etc.) wurden eingesetzt, um nanoporöse SiO2-Schichten herzustellen. Die präzise Kontrolle der Brechzahl und der Schichtdicke sowie die strukturtreue Beschichtung auf stark gekrümmten, 3D geformten Substraten wie z. B. Linsen, Kegeln, Zylindern stellen noch immer eine Herausforderung dar. Im Gegensatz zu anderen Beschichtungstechnologien, ermöglicht die Atomlagenabscheidung (ALD) konforme Beschichtungen mit präzise kontrollierbarer Zusammensetzung und Schichtdicke unabhängig von der geometrischen Form des Substrats.

Wir haben ein neues Verfahren zur Herstellung von dünnen nanoporösen SiO2-Schichten entwickelt. Dabei wurden atomar vermischte Al2O3:SiO2-Komposite abgeschieden und die Al2O3-Komponente selektiv entfernt, sodass eine nanoporöse SiO2-Schicht entsteht. Im Vergleich unterschiedlicher Beschichtungsverfahren wurden die besten Ergebnisse mit ALD erzielt, da diese eine präzise und reproduzierbare Zusammensetzung der Kompositen ermöglicht. Typischerweise bilden zwei ALD-Zyklen SiO2 (ca. 2 Å) kombiniert mit zwei bis vier ALD-Zyklen Al2O3 (ca. 2 bis 4 Å) die Basissequenz in diesen Mischsystemen. Die gewünschte Schichtdicke erreicht man durch die mehrfache Wiederholung der Al2O3:SiO2-Basissequenz. Durch die Erhöhung des Anteils der Al2O3-Komponente, welche selektiv entfernt wird, erhält man nanoporöse SiO2-Schichten mit einer steigenden Porosität von 10 % bis 69 %, deren Brechzahl von 1,40 bis 1,13 abgestimmt ist (Abb. 1).

Nanoporöse SiO2-Schichten wurden als Entspiegelungsschichten für verschiedene Glassubstrate angewendet. Eine Schicht, welche durch das Ätzen des Al2O3:SiO2-Komposits mit einem ALD-Zyklen Verhältnis von 3:2 entsteht, wurde erfolgreich als Einzelschichtentspiegelung für den spektralen UV-Bereich bei 256 nm Wellenlänge eingesetzt. Die Variation der Schichtdicke ermöglicht die Verschiebung der minimalen Reflexion im gewünschten Wellenlängenbereich (Abb. 2). Diese Schichten sind als abschließende Schicht von Interferenzschichtsystemen für breitbandige Entspiegelungen vorgesehen.

 

Diagramm mit Brechzahlverlauf der nanoporösen SiO2-Schichten.
© Fraunhofer IOF
Abb. 1: Brechzahlverlauf der nanoporösen SiO2-Schichten.
Diagramm mit Reflexionswerten bei Einzelschichtentspiegelung auf Quarzglas mit Rmin &lt; 0.2 % von 245 nm bis 290 nm Wellenlänge.
© Fraunhofer IOF
Abb. 2: Einzelschichtentspiegelung auf Quarzglas mit Rmin < 0.2 % von 245 nm bis 290 nm Wellenlänge.

 

Autorenschaft: Lilit Ghazaryan, Ernst-Bernhard Kley, Adriana Szeghalmi

Atomlagenabscheidung von Antireflexbeschichtungen

Gleichmäßige Al2O3-Beschichtung (ca. 100 nm) auf einem 6 Zoll Siliziumwafer, hergestellt mittels Atomlagenabscheidung (ALD).
© Fraunhofer IOF
Gleichmäßige Al2O3-Beschichtung (ca. 100 nm) auf einem 6 Zoll Siliziumwafer, hergestellt mittels Atomlagenabscheidung (ALD).

 

Die Abscheidung strukturtreuer Schichten mit präziser Schichtdicke spielt eine entscheidende Rolle bei der Herstellung hochwertiger optischer Systeme. Konventionelle Technologien, wie Verdampfung und Sputtertechniken, eignen sich zur Abscheidung von Schichten auf ebenen Oberflächen. Auf gekrümmten Oberflächen erzeugen diese Verfahren jedoch eine ungleichmäßige Schichtdickenverteilung, folglich wird die Funktion optischer Schichtsysteme verfälscht.

Unser Ziel ist, das Verfahren der Atomlagenabscheidung (ALD) als eine alternative Methode einzusetzen, um den hochgradigen Anforderungen an die Gleichmäßigkeit der einzelnen Schichten auch auf gekrümmten Linsen gerecht zu werden und Schichtdicken optischer Schichtsysteme ohne aufwendiges in situ Monitoring kontrollieren zu können. ALD ist ein chemisches Beschichtungsverfahren, welches auf zyklisch ablaufenden selbst-begrenzenden Oberflächenreaktionen basiert. Der Hauptvorteil liegt in der Fähigkeit, konforme Schichten auf strukturierten Oberflächen mit hohen Aspektverhältnissen aufbringen zu können. Die Dicke der abzuscheidenden Schicht wird exakt durch die Anzahl der ALD-Zyklen definiert. Die Schichten weisen eine hohe laterale Uniformität und geringe Rauigkeit auf.

Mit den entwickelten ALD-Prozessen für die Materialen Al2O3, TiO2, HfO2 und SiO2 werden hohe Reproduzierbarkeiten und ein zur Schichtdickenkontrolle nötiges lineares Schichtwachstum erzielt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Schichten nur sehr geringe Absorptionsverluste (Abb. 2) bis in den unteren Wellenlängenbereich von etwa 200 nm (SiO2, Al2O3), 260 nm (HfO2) und 400 nm (TiO2) aufweisen. Durch laserkalorimetrische Messungen (λ = 1064 nm) von jeweils 300 nm dicken Schichten auf Quarzsubstraten wurden Absorptionswerte von lediglich 5,4 ppm (TiO2), 3,3 ppm (Al2O3) und 3,9 ppm (SiO2) ermittelt, wobei das Substrat bereits eine Absorption von 2,3 ppm aufweist. Unter Verwendung der Materialien SiO2 und HfO2 wurde eine Antireflexbeschichtung im Wellenlängenbereich von 390 nm bis 1100 nm hergestellt (Abb. 3). Die gewünschte Schichtdicke der Einzelschichten wurde allein durch Anzahl der ALD-Zyklen bestimmt. In weiteren Experimenten sollen optische Elemente wie z. B. dichroitische Spiegel und Schmalbandfilter mittels Atomlagenabscheidung realisiert werden.

 

Silizium-Wafer, beschichtet mit einer homogenen Al2O3-Dünnschicht in den Händen einer Forscherin am Fraunhofer IOF.
© Fraunhofer IOF
Abb. 1: Silizium-Wafer, beschichtet mit einer homogenen Al2O3-Dünnschicht.
Diagramm zur absorptionsarmen SiO2-Beschichtung auf einem Quarzglas-Substrat.
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Abb. 2: Absorptionsarme SiO2-Beschichtung auf einem Quarzglas-Substrat.
Diagramm mit gemessener Transmissionen zweier Proben einer doppelseitigen Antireflexbeschichtung auf einem NSF8 Substrat.
© Fraunhofer IOF
Abb. 3: Gemessene Transmissionen zweier Proben einer doppelseitigen Antireflexbeschichtung auf einem NSF8 Substrat.

 

Authors: Kristin Pfeiffer, Svetlana Shestaeva, Astrid Bingel, Peter Munzert, Adriana Szeghalmi

Wissenschaftliche Publikationen

 

Darüber hinaus veröffentlichen unsere Forscherinnen und Forscher wissenschaftliche Ergebnisse in Fachzeitschriften. Eine Auswahl von Fachartikeln finden Sie hier:

Weitere Informationen

 

Weitere Details zu unserem Verfahren der Atomlagenabscheidung und zu unserem Leistungsspektrum finden Sie auf der folgenden Seite:

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Weiterführende Informationen

 

Mögliche Charakterisierungen und Materialbehandlungen für ALD-beschichtete Substrate und Komponenten:

  • Spektralphotometrie, Ellipsometrie, XRR, XRD, AFM, SEM, usw.
  • Thermische Stabilität und Glühen
  • Chemische Stabilität und nasschemisches Ätzen
  • Handhabung feuchtigkeitsempfindlicher Substrate unter inerter Atmosphäre

Mehr Informationen und Leistungen zu Oberflächen- und Schichtcharakterisierungen

 

Funktionelle Oberflächen und Schichten

Erhalten Sie einen Überblick über das Leistungsangebot unserer wissenschaftlichen Abteilung »Funktionale Oberflächen und Schichten« am Fraunhofer IOF.

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