Fraunpower am Fraunhofer IOF

Frauen in der Photonik

Wir haben viele großartige Frauen am Institut. Sie machen bahnbrechende Erfindungen, leiten innovative wissenschaftliche Teams, regeln die Finanzströme des Hauses und halten als stellvertretende Kapitänin das Institut auch bei starkem Wellengang auf Kurs.

Hiermit heben wir einige von ihnen hervor, um zu zeigen, wie prägend und bereichernd ihre Arbeit und Hingabe für die Photonik ist. Denn eins ist klar, wer mehr Forscherinnen für die Optik und Physik begeistern möchte, braucht starke Vorbilder, an denen sich die kommenden Generationen orientieren können.

Und das sind sie:

Starke Vorbilder

Sakshi Sharma

Sakshi Sharma forscht in unserer Gruppe »Quantenkommunikationstechnologien« und war maßgeblich am Aufbau der Quelle für verschränkte Photonen beteiligt. Mithilfe dieser Quelle gelang die erste quantengesicherte Videokonferenz zwischen zwei deutschen Bundesbehörden.

Dr. Julia Hengster

Julia Hengster hat es geschafft, aus dem Nichts die Max Planck School of Photonics (MPSP) – eine deutschlandweite und renommierte Graduiertenschule für Photonik-Studierende – zu etablieren. Sie ist Referentin in der Institutsleitung und koordiniert die MPSP.

Marta Gilaberte Basset

Marta Gilaberte Basset und ihrem Team ist es gelungen, das weltweit erste Video mit Quantenbildgebung aufzunehmen. Dieser Meilenstein ist insbesondere für Medizintechnik / Forschung relevant, da diese Methode bei mikroskopischen Analysen lebende Zellen nicht mehr zerstört.

Dr. Nadja Felde

Nadja Felde wurde 2020 für ihre herausragende Abschlussarbeit mit dem Applied Photonics Award in der Kategorie »Beste Dissertation« ausgezeichnet. Seit 2022 ist sie wissenschaftliche Referentin der Abteilung »Funktionelle Oberflächen und Schichten« am Fraunhofer IOF.

Britta Satzer

Britta Satzer ist mit ihrem Team gelungen, ein neues Kamerakonzept für die Automobilbranche zu entwickeln, wodurch die Kamera nur eine Systembaugröße von 10 mm benötigt. Mit der neuen Kamera wissen autonom fahrende Autos, ob der Mensch hinterm Steuer auf die Straße achtet oder nicht.

Dr. Ramona Eberhardt

Ramona Eberhardt leitet erfolgreich die Abteilung »Zukunftstechnologien«. Ihre Mitarbeitenden entwickeln Quantensysteme für die Kommunikation und bildgebende Sensorik der Zukunft. Außerdem ist sie stellvertretende Institutsleiterin am Fraunhofer IOF.

 

Dr. Adriana Szeghalmi

Adriana Szeghalmi hat mit ihrem Team die zukunftsweisende Atomlagenabscheidung als eine alternative Beschichtungsmethode etabliert. Diese erfüllt die Anforderungen an die gleichmäßige Dicke von Einzelschichten, auch auf stark gekrümmten / komplex geformten Substraten.  

Aoife Brady

Aoife Brady forscht an aktiven Optiken. Sie hat eine adaptiv-optische Box für die Quantenkommunikation entwickelt. Diese korrigiert in der Bodenstation der Universität Wien durch atmosphärische Turbulenzen verursachte Phasenfehler im Quantensignal eines Satelliten.

Dr. Ulrike Schulz

Ulrike Schulz ist Gruppenleiterin und entwickelte mit ihrem Team Oberflächenschichten, welche sogar Smartphone-Objektive verbessern. Dank der Beschichtungsmethode konnten Reflexionen minimiert, Geisterbilder vermieden und der Bildkontrast erhöht werden.

Josefine Canis

Josefine Canis hat ihre Berufsausbildung am Fraunhofer IOF als Landesbeste abgeschlossen. Für diese Leistung wurde sie 2021 von der IHK Ostthüringen sowie von der Fraunhofer-Gesellschaft ausgezeichnet. Nach ihrem Abschluss blieb sie bei uns und trat eine Stelle als Laborantin an.

Dr. Carolin Rothhardt

Carolin Rothhardt ist Gruppenleiterin und war im Projekt »Opti-Bond« stark involviert, bei dem neue Fügetechnologien für Hochleistungslaser entwickelt und bisherige Leistungsgrenzen überwunden wurden. 2020 wurde ihre Doktorarbeit mit dem Promotionspreis der FSU Jena ausgezeichnet.

Dr. Claudia Reinlein

Claudia Reinlein und ein kleines Team haben sich 2020 aus dem Fraunhofer IOF ausgegründet und sich erfolgreich am Markt etablieren können. Sie erhielt den Thüringer Gründerpreis und belegte Platz 35 der TOP 50 Start-ups. Jetzt ist sie Geschäftsführerin der Robust AO GmbH.

Was wir uns wünschen: Mehr Frauen in der Photonik

Wie kann es gelingen mehr Frauen für die Forschung mit Licht zu begeistern? Welche modernen Arbeitsformen sprechen Frauen besonders an? Was müssen wir tun, um schon Mädchen für Themen der Physik zu begeistern?

Diesen essenziellen Fragen geht das Team von Mareike Schütt und Reinhold Pabst nach. Sie sind dafür verantwortlich, die Organisation weiter zu entwickeln. Den Anteil von Wissenschaftlerinnen am Fraunhofer IOF deutlich zu erhöhen, ist eines ihrer wichtigsten Ziele. Ein Fraunhofer-Institut ohne starke Frauenquote ist nicht zukunftsfähig. Vielfalt ist in einer sich dynamischen wandelnden Forschungslandschaft unerlässlich.

Schütt und Pabst wollen verstehen, was Frauen in der Vergangenheit an der Photonik begeistert hat und auch welche Ideen sie aus der eigenen Erfahrung heraus für ein chancengleiches Forschungsfeld entwickeln. Die beiden haben dafür vier erfolgreiche Forscherinnen befragt:

Frauen im Interview

Marta Gilaberte Basset

Doktorandin in der Abteilung Zukunftstechnologien im Bereich Quantenbildgebung

 

Marta möchte gerne sehen, wie einige ihrer Entwicklungen ins All geschossen werden. (Zum Interview)

Nadja Felde

Stellvertretende Gruppenleiterin und wissenschaftliche Referentin der Abteilung Funktionelle Oberflächen und Schichten

 

Nadja ist stolz darauf, die Optics Community und die Photonik-Branche mitgestalten zu können. (Zum Interview)

Grucheska Rosario Rodriguez

Doktorandin in der Abteilung Opto-mechatronische Komponenten und Systeme

 

Grucheska ist begeistert von der Vielseitigkeit der Forschungsprojekte am Fraunhofer IOF und von der Verantwortung, die ihr übertragen wird. (Zum Interview)

Stephanie Hesse-Ertelt

Fraunhofer Forschungsmanagerin & stellv. Abteilungsleiterin »Strategie, Organisation, Kommunikation«, Strategische Initiativen & Geschäftsfeldentwicklung

 

Stephanie möchte sich gern selber mal in den Weltraum. (Zum Interview)

Julia Hengster

Wissenschaftliche Referentin der Institutsleitung

 

Julia verlagerte nach ihrer Promotion ihren beruflichen Schwerpunkt und entdeckte das Wissenschaftsmanagement für sich. (Zum Interview)

Carolin Rothhardt

Leiterin der Arbeitsgruppe für Fügetechnologien in der Abteilung Präzisionsoptische Komponenten & Systeme

 

Carolin strebt danach, dass ihre hergestellten Komponenten im Weltraum angewendet werden. (Zum Interview)

Marta Gilaberte Basset

Doktorandin in der Quantenbildgebung

 

Bitte erzähle uns etwas über deine derzeitigen Forschungsschwerpunkt am Fraunhofer IOF.

Ich bin am Fraunhofer IOF als Doktorandin im Bereich der Quantenoptik, genauer gesagt der Quantenbildgebung. Ich entwickle Abbildungssysteme mit Quantenlichtquellen. Diese Bildgebungssysteme nutzen Quantenkorrelationen und bieten viele Vorteile, wie die Möglichkeit, verschiedene Wellenlängen für die Detektion und für die Beleuchtung des Objekts zu verwenden.

Die Quantenbildgebung ist ein sehr spezielles Gebiet. Woher kommt dein Interesse für dieses Gebiet?

Ich würde nicht sagen, dass ich von Anfang an eine Leidenschaft für die Photonik hatte. Während meines Studiums habe ich bei einem Photonikprojekt in einem Unternehmen mitgemacht. Bei der Arbeit ging es um den Bau von Lasern, und der photonische Teil hat mir sehr gefallen.

Wie bist du zum Fraunhofer IOF gekommen?

Nach ein paar Jahren hatte ich das Gefühl, dass ich in den Jobs, die ich hatte, nicht weiterkomme. Und ich hatte das Gefühl, dass ich zu jung war, um nichts Neues mehr zu lernen. Ich beschloss, Spanien zu verlassen, um Erfahrungen im Ausland zu sammeln, und bewarb mich für eine Stelle am Fraunhofer IOF. Ich kannte das Fraunhofer IOF bereits durch einige gemeinsame Laserprojekte in der Vergangenheit und hatte einen Kontakt, der mir davon erzählte, dass sie eine neue Gruppe für Quantenoptik einrichteten.

Gibt es Highlights in deiner Karriere, die du mit uns teilen möchten?

Eine großartige Erfahrung war bisher der Bau eines Lasers für die ExoMars-Mission. Außerdem das schnelle Wachstum unserer Quantengruppe. Am Anfang bestand sie nur aus mir und einem weiteren Kollegen. Aber in den letzten vier Jahren hat sich die Gruppe stark vergrößert. Es ist toll zu sehen, dass das so schnell geht. Ich konnte dazu beitragen, da wir eine Bildgebungsaufbau gebaut haben, der sehr gut funktionierte, so dass wir damit werben und mehr Mittel erhalten konnten.

Was hält dich motiviert?

Ich würde gerne sehen, dass meine Arbeit irgendwann auf den Markt kommt, damit die Menschen von dem von mir entwickelten Bildgebungssystem profitieren können. Ich würde auch gerne sehen, wie einige meiner Projekte in den Weltraum geschossen werden.

Ich glaube an dich! :) Hast du einen Wunsch für die Zukunft der Frauen in der Photonik?

Als ich meinen Bachelor in Barcelona gemacht habe, gab es 10 Frauen unter 50 Studenten. Jetzt scheint es mehr Frauen zu geben, aber ich würde gerne ein 50/50-Verhältnis sehen. Manche Leute sagen, dass sich Mädchen nicht für Technik oder Wissenschaft interessieren, ich bin da aber völlig anderer Meinung.

Hast du eine Botschaft an junge Forscherinnen?

Schätze deine eigene Meinung! Sei bescheiden, aber sei stark und beharrlich. Habt keine Angst, Fragen zu stellen, habt keine Angst, Fehler zu machen.

Nadja Felde

Stellvertretende Gruppenleiterin und wissenschaftliche Referentin der Abteilung Funktionelle Oberflächen und Schichten

 

Welchem Forschungsthema hast du dich gewidmet?

In meiner Promotion habe ich mich mit nanostrukturierten multifunktionalen Schichten beschäftigt. Später war ich dann auch wissenschaftliche Mitarbeiterin auf diesem Gebiet.

Wie kamst du zu diesem Thema und dann später zum Fraunhofer IOF?

Schon in der Grundschule habe ich mich für Naturwissenschaften interessiert. Für das Studium habe ich mich für Materialwissenschaften entschieden, und nicht für Physik oder Chemie, weil Materialwissenschaft eine gute Kombination aus allen Fächern ist. Damit konnte ich mich sehr breit aufstellen. Bereits während des Studiums bin ich als studentische Hilfskraft ans Fraunhofer IOF gekommen und hatte den ersten Kontakt zur Optik. Ich durfte an diversen spannenden Projekten mitwirken, die mir die Vielfalt in der modernen angewandten Photonik aufgezeigt haben. Das hat mir alles so gut gefallen – auch die Stadt Jena –, dass ich dann auf dem Gebiet promoviert habe. Danach habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet und wurde dann stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe Oberflächen und Schichtcharakterisierung. Seit 2022 bin ich auch wissenschaftliche Referentin der Abteilung. Das heißt, bei mir ging es von der klassischen Wissenschaft weg hin zur Strategiearbeit. Das gefällt mir aber sehr gut, weil man so auch mehr Verantwortung erhält.

Das hört sich nach einem ziemlich stringenten Werdegang an. Was motiviert dich aktuell?

Ich finde es toll, in der optischen Community mitwirken zu können, die Branche mitgestalten zu können und neue Themen zu generieren. Persönlich motiviert mich die Anerkennung für meine Leistung und die Wertschätzung meiner Arbeit. Die Unterstützung durch meine Vorgesetzten war für mich immer sehr wichtig. Man braucht jemanden, der an einen glaubt und einen richtig fördert.

Man sieht auch, dass es dich weit gebracht hat. Und du möchtest sicher noch höher hinaus, oder?

Ich möchte mein Netzwerk in der Optik-Community weiter ausbauen und gerne noch mehr Verantwortung übernehmen. Solch ein Ziel muss man kommunizieren, um durchstarten zu können.

Was wünscht du dir für die Zukunft der Frauen in der Photonik?

Ich wünsche mir, dass wir irgendwann weg von einer Frauenquote kommen. Es sollte selbstverständlich sein, dass das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist, dass man das nicht erzwingen muss und nicht darauf hinweisen muss, dass es in der Chancengleichheit zum Teil noch Defizite gibt. Ich möchte, dass die Frauen selbstbewusster werden und sich Möglichkeiten auch einfordern. Ich denke nicht, dass es an Fach- oder Führungskompetenz mangelt. Die Problematik ist eher, dass Frauen ihre Ziele nicht kommunizieren oder sich aus den unbewussten Denkmustern heraus nicht trauen. Wir brauchen mehr aktive Förderung, mehr weibliche Vorbilder sowie Netzwerk-Möglichkeiten, um sich selbst bekannt machen zu können.

Hast du eine Botschaft an junge Forscherinnen?

Das wichtigste ist, selbstbewusst aufzutreten. Man muss an sich selbst und die eigene Expertise glauben. Dazu gehört auch solche Aufgaben anzunehmen, die herausfordernd sind. Die eigene Komfortzone zu verlassen ist ein wichtiger Kernaspekt dabei. Denn daran kann man wachsen und zeigen, dass man etwas schaffen kann.

Grucheska Rosario Rodriguez

Doktorandin in der Abteilung opto-mechatronische Komponenten und Systeme

 

Woran forscht du derzeit?

Ich versuche herauszufinden, ob die Eigenschaften von ferroelektrischem Material durch die mechanische oder thermische Einwirkung beim Solder Jet Bumping beeinflusst werden. Solche Veränderungen würden die optische Leistung des Materials beeinflussen. Das ist wichtig, um zu wissen, ob wir diese Technologie für die Montage bestimmter Systeme einsetzen können.

Hast du Materialwissenschaften studiert? Und wie bist du zu deiner Arbeit am Fraunhofer IOF gekommen?

Ja, ich habe meinen Bachelor in Materialwissenschaften an der Universidad Simon Bolivar in Venezuela gemacht. Ich wollte lernen, warum Materialien für verschiedene Anwendungen ausgewählt werden, und auf Grund welcher Eigenschaften. Im Masterstudium habe ich mich auf Keramik spezialisiert. Ich habe viel über Keramik gelernt. Sie ist ein sehr leistungsfähiges Material, das sehr vielseitig ist. Zur Photonik bin ich durch meinen ersten Job hier am Fraunhofer IOF gekommen.

Was gefällt dir besonders an deiner Arbeit hier am Fraunhofer IOF?

Ich bin begeistert von der Vielseitigkeit und der Verantwortung, die mir in den Forschungsprojekten übertragen wird. Ich finde, die Forschungsfelder des Instituts sind enorm wichtig für die Gestaltung der Zukunft.

Was treibt dich an?

Was mich antreibt, ist meine persönliche Wissbegierigkeit. Ich liebe es, Herausforderungen zu meistern und Lösungen zu finden. Ich bin motiviert, wenn ich verstehe, warum bestimmte Dinge funktionieren und andere nicht. Mich treibt der Wunsch an, immer mehr zu verstehen. Das Universum finde ich besonders spannend, weil wir bisher so wenig darüber wissen.

Oh ja, aber zurück zur Erde: Was wünschst du dir für die Zukunft der Frauen in der Photonik?

Ich würde mir wünschen, dass Frauen in der Photonik mehr sichtbar werden. Bei so vielen Männern in Führungspositionen fühle ich mich manchmal eingeschüchtert. Wir brauchen weibliche Vorbilder, mit denen wir uns identifizieren können. Sie zeigen uns, dass auch Frauen einflussreich und mächtig sein können. Es ist wichtig, einen Raum voller Vielfalt zu haben, damit wir sehen können, wie unterschiedlich die Ideen fließen.

Welche Erfahrungen hast du für dich in all den Jahren in der hoch kompetitiven Forschung für dich persönlich mitgenommen?

Wenn ich mich unsicher fühle, erinnere ich mich daran, was ich bereits erreicht habe und wozu ich fähig bin. Das hilft mir, weiterzumachen. Es hat keinen Sinn, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Jeder hat seinen eigenen Lernprozess und die Dinge entwickeln sich für ihn in einem anderen Tempo.

Hast du eine Botschaft für junge Wissenschaftlerinnen?

Wenn du neugierig auf etwas bist, dann folge diesem Weg und gehe Risiken ein. Setzt euch selbst keine Grenzen.

Stephanie Hesse-Ertelt

Fraunhofer Forschungsmanagerin & stellv. Abteilungsleiterin „Strategie, Organisation, Kommunikation“ (SOK), Strategische Initiativen & Geschäftsfeldentwicklung

 

Erzähle uns bitte etwas über deinen Aufgabenbereich.

Ich akquiriere und koordiniere hauptsächlich interdisziplinäre Großprojekte mit vielen externen Partnern auf Ebene des Landes, des Bundes und der EU. Ich bin außerdem Ansprechpartnerin des Fraunhofer IOF für die Allianz Aviation & Space und bekleide weitere anspruchsvolle institutsinterne Posten.

Forschungsmanagerin, das klingt nach einer vielseitigen Tätigkeit. Nun bist du auch schon seit einigen Jahren an unserem Institut. Wie kamst du damals ans Fraunhofer IOF?

Ich habe zunächst an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Physik studiert und im Anschluss daran angefangen am Institut für Optik & Quantenelektronik zu promovieren. Im Rahmen meiner Promotion habe ich mich mit einem Thema an der Schnittstelle von Hochfrequenzspektroskopie, Polymer- und Biochemie beschäftigt und in Kooperation mit verschiedenen Instituten auch in anfänglich fachfremden Gebieten gearbeitet sowie einen Auslandsaufenthalt in Japan verbracht. Da es im damaligen Institut eine Umstrukturierung gab, die eine Promotion und Weiterbeschäftigung wie ursprünglich geplant nicht mehr möglich machte, bin ich über einen Umweg über die Materialwissenschaften in die Organische- und Makromolekulare Chemie gewechselt. Das erlaubte mir, meine Promotion auf dem von mir gewählten Thema abschließen zu können und sehr viele neue Aspekte auf dem Gebiet der (Bio-)Polymerchemie kennenzulernen. In diesem Themenfeld bin ich dann einige Jahre geblieben und war als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung tätig. Im Juni 2012 bin ich als wissenschaftliche Referentin zum Fraunhofer IOF gekommen. Ich kam somit zum ersten Mal auch beruflich meinem Interesse an Astronomie und optischen Weltraumanwendungen näher.

Was hast du aus dieser intensiven Zeit in der Forschung für dich mitgenommen?

Es gab viele spannende Erlebnisse in meiner Laufbahn. Es gab auch Momente, in denen ich dachte, es geht nicht weiter. Daraus hat sich jedoch immer etwas Tolles ergeben – wie mein Aufenthalt in Japan, bei ich mich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich weiterentwickeln und Land, Leute und Kultur kennen lernen durfte.

Was motiviert dich sonst?

Meine Arbeit fühlt sich an wie ein Hobby und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten. Mich motiviert das Neue, die sich bietenden Chancen und Anwendungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse sind einfach spannend.

Was sind deine persönlichen Ziele für die Zukunft?

Ich bin sehr glücklich mit der aktuellen Situation, mit meiner Rolle und der Arbeit in einem Forschungsinstitut und freue mich auf weitere verantwortungsvolle Aufgaben mit immer neuen Themen. Wenn es sich ergibt, möchte ich mich gerne mal in den Weltraum schießen lassen.

Ein außergewöhnliches Ziel – aber nicht unmöglich. Und was wünscht du dir für die Zukunft der Frauen in der Photonik?

Ich wünsche mir, dass sich mehr junge Frauen für die Wissenschaft begeistern lassen können. Der Funke sprüht bestenfalls schon zu Schulzeiten über. Lehrerinnen und Lehrern kommt dort eine große Bedeutung zu, denn sie können jungen Menschen Möglichkeiten aufzeigen, mit Rat und Tat zur Seite stehen, sie inspirieren und vorhandenes Interesse stärken.

Welche Botschaft möchtest du jungen Forscherinnen mit auf den Weg geben?

Seid mutig und interessiert, macht einfach immer weiter, es findet sich ein Weg. Seid jedoch offen für Abzweigungen und Umwege. Das können wertvolle Erfahrungen sein.

Julia Hengster

Wissenschaftliche Referentin der Institutsleitung

 

Was zählt zu deinem Aufgabenbereich?

Ich arbeite teils wissenschaftlich, teils organisatorisch. Somit begleite ich auch interne Veränderungsprozesse. Die Institutsleitung unterstütze ich mit Zuarbeiten für die Gremienarbeit oder interne Sitzungsrunden sowie für externe Veranstaltungen.

Wie war dein Werdegang bis hin zu deinem aktuellen Beruf?

Nach dem Physikstudium habe ich in Hamburg zum Thema Kurzpulsphysik promoviert. Als Mitglied einer Juniorgruppe habe ich viel Aufbauarbeit im Labor und in der Experimententwicklung geleistet. Ich habe jedoch nicht so viel publiziert, weswegen eine wissenschaftliche Karriere mit Professur für mich nicht infrage kam. Daher habe ich mich zum Berufseinstieg umorientiert und für mich das Wissenschaftsmanagement entdeckt. In dem Bereich habe ich dann auch am Fraunhofer IOF angefangen und die Max Planck School of Photonics mit aufgebaut. Das ist eine standortübergreifende Graduiertenschule, die als Netzwerk junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Professorinnen und Professoren zusammenbringt. Ziel ist die Vernetzung der Photonik-Branche, sodass wissenschaftliche Fragestellungen nicht nur lokal bearbeitet werden, sondern mehr kooperiert wird. Seit 2021 bin ich wissenschaftliche Referentin der Institutsleitung.

Dies zeigt anschaulich, dass es im Wissenschaftsbereich nicht immer nur ums Forschen geht, sondern dass es auch viele andere spannende Tätigkeitsbereiche gibt. Was würdest du aus deiner bisherigen Laufbahn als deinen beruflichen Höhepunkt bezeichnen?

Das war für mich auf jeden Fall der Abschluss meiner Promotion. Man arbeitet so lange auf ein Ziel hin und muss trotz vieler Hindernisse die Motivation aufrechterhalten. Ansonsten sind es eher die kleinen Erfolge: Ein Team aufbauen, gemeinsam für ein geteiltes Anliegen kämpfen und sehen, dass die Zusammenarbeit funktioniert.

Was motiviert dich darüber hinaus?

Ich arbeite mich gerne in neue Themen ein und liebe die Abwechslung in der Arbeit. Mich motiviert zudem, nicht allein zu arbeiten, sondern ein Team an meiner Seite zu haben. Ich schätze die verschiedenen Herangehensweisen der anderen als sehr hilfreich für die eigene Arbeit ein.

Hast du dir persönliche Ziele für die Zukunft gesetzt?

Für uns Wissenschaftskoordinatorinnen und -koordinatoren müssen sich die Karrierepfade noch entwickeln. Leitungsstellen werden meist von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besetzt, die sich durch ihre Forschungsarbeit und Publikationen hervorgetan haben. Ich habe mir jedoch stark vorgenommen, meine privaten Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Ich möchte Laufen und Radfahren gerne als Hobby intensivieren. Persönliche Interessen sind im Spannungsfeld von Beruf und Privatleben nicht zu unterschätzen, um dauerhaft gesund und zufrieden zu sein.

Work-Life-Balance ist ein wirklich wichtiges Thema, das erfreulicherweise immer mehr Beachtung findet. Und zum Thema Zukunft der Frauen in der Photonik: Hast du diesbezüglich einen Wunsch?

Ich wünsche mir, dass Führungsrollen in Zukunft diverser besetzt werden, also auch mehr Frauen Personalverantwortung übernehmen.

Welche Botschaft hast du für junge Wissenschaftlerinnen?

Hard work beats talent, when talent does not work hard. Diese Worte stammen aus dem Sportbereich und zeigen, dass harte Arbeit dir unabhängig von deinem Talent dabei helfen kann, Ziele zu erreichen. Viele Frauen zweifeln mehr an den eigenen Fähigkeiten als ihre männlichen Kollegen das tun. Versuche persönliche Ziele zu finden, auf die du hinarbeiten kannst. Harte Arbeit muss nicht zeitintensiv sein. Fokussierung und Reflexion helfen uns dabei, die richtigen Dinge zu tun und Lösungen zu finden.

Carolin Rothhardt

Leiterin der Arbeitsgruppe für Fügetechnologien in der Abteilung Präzisionsoptische Komponenten & Systeme  

 

An was arbeitest du in deiner Arbeitsgruppe?

Im Rahmen meiner Promotion habe ich in der Abteilung Feinwerktechnik am Fraunhofer IOF ein Fügeverfahren für optische Kristalle neu entwickelt, das speziell für Hochleistungslaser-Anwendungen sehr interessant ist. Laserkristalle werden damit fest miteinander verbunden. Die Ergebnisse meiner Promotion fließen auch in meine jetzige Arbeit ein, da wir das Fügeverfahren in der Arbeitsgruppe weiterentwickeln.

Was führte dich zu deinem aktuellen Tätigkeitsbereich?

In meiner Schulzeit habe ich angefangen, mich für das Segelfliegen zu begeistern. Auf einer Veranstaltung bekam ich dann die Möglichkeit, mir anzuschauen, wie das damals größte Segelflugzeug hergestellt wurde. Modernste Materialien spielten dafür eine wichtige Rolle. Das war einmalig! Und das war der Funke, der mich auf die Idee gebracht hat, Materialwissenschaft zu studieren. Ich wollte verstehen, wie Materialien funktionieren und wie man ihre Eigenschaften gezielt verbessern kann.

Schließlich habe ich das Studium der Materialwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena aufgenommen. Der Studiengang hat alle meine Interessen (Chemie, Physik, Informatik) abgedeckt. Währenddessen fing ich als studentische Hilfskraft am Fraunhofer IOF in der Abteilung Optische Systeme an. Später habe ich in der Abteilung Feinwerktechnik promoviert. Seit Anfang 2022 bin ich nun Leiterin der Arbeitsgruppe Fügetechnologien in der Abteilung Präzisionsoptische Komponenten und Systeme.

Dir war also von Anfang an ziemlich klar, wo du hin wolltest. Was zählst du zu deinen beruflichen Höhepunkten?

Ein tolles Erlebnis war, meine Promotion erfolgreich zu verteidigen und dafür mit dem Fakultätspreis der FSU Jena ausgezeichnet zu werden. Zudem haben wir 2021 ein spannendes Projekt erfolgreich beendet. Dabei ging es um die Entwicklung eines optischen Bauteils für den Einsatz in einem wissenschaftlichen Instrument, das zukünftig im Weltraum fliegen wird. Den Demonstrator in einem interdisziplinären Team erfolgreich aufzubauen, war eine super Erfahrung.

Hast du ein persönliches Vorbild?

Mein Vorbild ist Marie Curie. Neben ihrem wissenschaftlichen Erfolg gab sie ihre Begeisterung für die Wissenschaften auch an ihre weiblichen Studentinnen weiter und ermutigte sie, sich den Naturwissenschaften zu widmen.

Was sind deine persönlichen Ziele für die Zukunft?

Ein großes Ziel ist es, dass Komponenten, die wir hergestellt haben, im Weltraum fliegen und dort angewendet werden. Sie können helfen, wichtige Fragen – zum Beispiel zum Klimawandel – zu beantworten. Auch wenn wir hier in einem großen Gesamtsystem nur kleine Komponenten bereitstellen, hat das am Ende eine wichtige Funktion.

Mit absoluter Sicherheit. Und was wünscht du dir für die Frauen in der Photonik?

Ich wünsche mir, dass die Gleichberechtigung noch besser gelebt wird und dass sich der gesellschaftliche Blick wandelt. Ich persönlich hatte in meinem Arbeitsumfeld immer gute Bedingungen, um Arbeit und Beruf zu vereinbaren. Global betrachtet müssen die Bedingungen für Frauen in der Wissenschaft jedoch noch verbessert werden.

Welche Botschaft möchtest du jungen Wissenschaftlerinnen mit auf den Weg geben?

Man sollte immer ein realistisches Ziel vor Augen haben und es beharrlich verfolgen. Bleibt neugierig!