Wissenschaftlerin in der Abteilung »Photonische Quantensysteme«
Du arbeitest am Institut in der Abteilung „Photonische Quantensysteme“. Woran arbeitest du dort derzeit konkret?
Ich arbeite an verschiedenen Themen im Zusammenhang mit Quantenoptik und Quantenkommunikation. Ein Großteil der Arbeit in der Abteilung widmet sich Anwendungen in der sicheren Kommunikation mittels Quantenschlüsselverteilung. Meine Arbeit konzentriert sich auf die Erzeugung von Verschränkungen und die Steuerung verschiedener Eigenschaften einzelner Photonen zur Kodierung und Verarbeitung von Quanteninformationen.
Was hat dich dazu inspiriert, in die Wissenschaft zu gehen?
Ich war schon immer ein neugieriges Kind. Ich war nicht das Kind, das die Fernbedienung des Fernsehers auseinandergenommen hat, um zu sehen, wie sie funktioniert. Aber ich habe immer meine Logik eingesetzt, um Probleme zu lösen, zum Beispiel um Dinge zu Hause zu reparieren, wenn es nötig war. Ich liebe alle Arten von Rätseln. Als ich älter wurde, versprach man mir, dass ein Studium der Ingenieurphysik mich zu einer Erfinderin zukünftiger Technologien ausbilden würde, was ehrlich gesagt wirklich cool klang. Dieser Weg hat mich um die ganze Welt geführt und mir die Möglichkeit gegeben, von den Ideen und Erfahrungen anderer Menschen zu lernen. Ich hatte das große Glück, überall, wo ich hingekommen bin, die besten Mentoren und Mentorinnen zu finden. Und schließlich habe ich herausgefunden, dass die Besoldung für Wissenschaft in Deutschland und anderen Ländern gut ist, was mir zu Beginn meiner Karriere nicht bewusst war. Diese wirtschaftliche Sicherheit hat es mir ermöglicht, mich voll und ganz diesem Bereich zu widmen.
Was gefällt die besonders an deiner Arbeit am Fraunhofer IOF?
Mir gefällt der Ansatz, Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Wissenschaft zu verbinden, um innovative und skalierbare Ideen auf den Markt zu bringen. Ich denke, dass die Abteilung für Quantentechnologie relativ neu ist und sich noch innerhalb des technologischen Ökosystems etablieren muss, aber wir machen Fortschritte. Dazu kombinieren wir fortschrittliche Technologie und umfangreiches Ingenieurswissen aus anderen Abteilungen. Durch diese Arbeit lerne ich jeden Tag so viel, nicht nur über Quantentechnologien, sondern auch über ein breites Spektrum der Optik und Photonik. Es ist faszinierend, wie grundlegende Ideen in Kombination mit Werkstoffen, Licht und Maschinenbau zu einer Diversität an wirkungsvollen Anwendungen führen.
Hast du ein persönliches Vorbild in der Wissenschaft?
Ich habe kein bestimmtes Vorbild. Ich bewundere alle Arten von Wissenschaftlern, insbesondere wenn ich ihre cleveren Ideen zur Lösung spezifischer Probleme nachvollziehen kann. Es macht mir Spaß, etwas über die Denkprozesse anderer zu lernen. Aber wenn ich es mir erlauben darf, zu sagen, bewundere ich besonders die ältere Generation von Frauen in der Wissenschaft, weil ich gesehen habe, wie schwierig es für Frauen war, Anerkennung zu finden und eine Karriere in Wissenschaft und Technik zu verfolgen. Selbst heute noch ist es meiner Meinung nach für Frauen schwieriger, berufliche Ambitionen mit familiären Verpflichtungen in Einklang zu bringen. Dennoch glaube ich und sehe bereits, dass sich die Denkweise ändert, und deshalb bin ich meinen Vorgängerinnen für ihren Kampf unendlich dankbar.
Was macht die Arbeit in der Naturwissenschaft aus deiner Sicht für Frauen besonders?
Ich glaube nicht, dass es etwas Besonderes gibt. Ich bin davon überzeugt, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Denkweisen für wissenschaftliche Herausforderungen gut geeignet sind, unabhängig vom Geschlecht. Gleichzeitig ist Diversität in Bezug auf Hintergrund und Erfahrungen wichtig, um verschiedene Herangehensweisen an Probleme zu identifizieren. Daher unterstütze ich voll und ganz die Idee, mehrere Nationalitäten und Geschlechter in die Gruppe aufzunehmen. Mit anderen Worten: Label sollten keine Rolle spielen.
Allerdings habe ich beobachtet, dass eine weibliche Führungskraft oft mehr weibliche Kolleginnen anzieht als von Männern geführte Gruppen. Ich frage mich, warum das so ist. Diese Verzerrung tritt bereits bei Physikstudierenden auf, die überwiegend männlich sind. Ich frage mich daher, ob jüngere Frauen mehr Kontakt zu Wissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen hätten, ob dies auch einen Einfluss auf ihre Studienwahl haben könnte.
Was wünscht du dir für die Zukunft der Frauen in der Photonik?
Ich möchte die Wahrnehmung der Gesellschaft normalisieren, dass Frauen großartige Physik leisten können, und deutlich machen, dass sie auch Karrieren in Wissenschaft und Technik verfolgen können.
Welche Botschaft möchtest du jungen Forscherinnen mit auf den Weg geben?
Wenn du etwas ausprobieren möchtest, dann tu es, hab keine Angst! Denke jedoch daran, dass du niemandem etwas beweisen musst. Gib dein Bestes, aber achte auf eine gesunde Work-Life-Balance.